Herzlich willkommen auf unserem ReiseBlog.



Mittwoch, 5. September 2012

Königs Landhaus

Wenn man als König keine Lust mehr hat, ständig in der Hauptstadt die blöden Untertanen zu sehen, so läßt man sich einfach ein klein Häuschen in der Einöde bauen.
Da wird man dann nicht mehr belästigt und regiert sein Reich, indem man dem Hochadel Zettel mit kryptischen Anweisungen zuschickt.
Kosten spielen keine Rolle, weil einem ja Amerika gehört und die doofen Indios schon für güldenen Nachschub sorgen werden.
Leider lebt man in einem Jahrhundert, in dem das Wasserklosett noch nicht erfunden ward und so blieb unsere dringenste Frage heute unbeantwortet.
Manch einer mag´s aus Versailles kennen, wo die Vicomtes sich hinter den schweren Vorhängen verstecken konnten. Hier ging das nicht, denn Raumschmuck war aufgrund des Königs Minimalismus kaum vorhanden.
Der war ja auch mit beten und Zettel schreiben ausgelastet. Also trug man schwarz und versuchte, Engländerinnen zu heiraten. Die wollten aber nicht katholisch werden. So hatte man´s schwer. Später dann quält einen die Gicht.


 Die Aussicht allerdings ist wunderschön, sogar ein kleines Gärtchen gibt´s.

Wir mußten heute treppauf und -ab laufen, Gemächer und Grüfte anschauen.
Bilder hängen auch, meistens von Märtyrern und Märtyrerinnen, bzw. von Unmengen Habsburgs und Bourbons.
Im Keller sind die meisten dann auch gleich beerdigt. Man muß als König eigentlich gar nicht mehr raus. War man königlich und nach der Pubertät verstorben, so bekam man seinen eigenen Sarkophag.
Hatte man es nicht ganz geschafft, mußte man sich mit anderen Minderjährigen ein Mausoleum teilen. Das Ding heißt "Tarta de Comuniones" und sieht genau so aus, nämlich wie eine marmorne Torte. Schräg. Leider Fotografierverbot.



Belohnung heute: die empfohlene Tapasvariation vom Kellner auf der Plaza um die Ecke. Chorizos in Apfelwein, Pilze in Knoblauchöl und Knoblauchölpilze, dazu zwei Liter Bier. Prost!
Ach ja, immer schön Weißmehlbrot dazu.

Als kostenlose Unterhaltung gab´s ein schon in die Jahre gekommenes, sehr freundliches holländisches Ehepaar, das den Tavernenrotwein dekantieren wollte. Und das in einem Viertel, das der Baedeker als authentisch beschreibt, was ja soviel heißt wie leicht runtergekommen.
Morgen geht´s weiter nach Zaragoza.

Für unsere Freunde des südamerikanischen Spanisch: "Cien zapateros de Zaragoza cogen gazpacho andaluz en la plaza."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen