Nachdem es gestern gleich zwei Messen gab und ich immer noch ganz begeistert von dem Ablauf inklusive dem ganzen Brimborium bin, mussten wir heute dann doch unseren Weg fortsetzen.
| Unser Zimmer: Grace - wenn das nicht passt! |
Im Hinblick auf den Titel des heutigen Posts ist es noch ganz wichtig zu erwähnen, dass wir zwei wunderbare Nächte in dem Hotel Casa Reais - die königlichen Häuser - hatten.
Heute waren wir zunächst in Lugo. Lugo ist nicht hübsch, hat aber eine alte Stadtmauer, die
ca. 2.000 Meter rund um die Altstadt geht und mindestens 2000 Jahre alt ist.
Und ich habe ja schon gelernt, dass das dann wohl römisch sein muss.
| keine Schuhläden und auch nischt zu essen |
Ich fand es eher öde - auf der Mauer gab es keine hübschen Lädchen zum Gucken und die alte Stadtmauerarchitektur ging auch nicht so recht an mich.....ich wurde selbstverständlich ganz böse hinsichtlich meiner historisch-architektonischen Ignoranz ausgeschimpft. Damit konnte ich allerdings ganz gut leben....
Aus Ermangelung weiterer bedeutender Bauwerke haben wir dann Lugo auch gleich wieder verlassen und sind durch die Berge gen Leon gefahren.
Und da ist auch schon wieder viel schöner: es gibt ne Altstadt mit Fussgängerzone und eine furchtbar wichtige Kathedrale mit vielen, vielen bunten Bleiglasfenstern.
Eigentlich ist das Ding ja gotisch, hat aber einen Chor aus der Renaissance und im Barock wurde ne Kuppel oben drauf gesetzt.
Da die Bauherren aber damals scheinbar zu viel lecker Wein getrunken hatten, haben die sich mit der Statik verkalkuliert und somit musste die Kuppel wieder runter.
Man kann sich aber auch auf gar nichts mehr verlassen und ich möchte nicht wissen, was mit dem Baumeister nach Bekanntwerden seines Fehlbaus angestellt wurde.
Ich fand´s trotzdem toll - so schön bunt und hoch und überall steht ne heilige Maria rum - mal jungfräulich, mal schwanger - mal aus Holz, mal aus Stein.
Zur Belohnung gab es dann abends lecker einheimisches Essen aus Leon: mit Kabeljau gefüllte Paprikaschote und danach ne braune Masse , die aussah , als ..... naja, lassen wir das lieber.
Klugerweise hat Christoph mir erst nach dem ich freudig meinen Gefallen an der Leckerein bekundet gesagt, was da schon zur Hälfte in meinem Bauchi angekommen war: Blutwurst-Reis-Matsche-Auflauf...
Aber ich gebe ja - auch jetzt noch - zu, dass es sehr lecker war.
Zur Belohnung gab es noch leonischen Käsekuchen.
Ja und nun komme ich auf den anfänglichen Hinweis unserer Unterkunft in Santiago de Compostela zurück: heute haben wir nämlich ein Zimmer im hiesigen Studentenwohnheim.
Also meine Assoziation mit Studentenwohnheim waren ja eher die jungen kackigen Studenten, die sich lernend auf dem Campusrasen niedergelassen haben und in kleinen Grüppchen über Hausaufgaben und den Sinn des Lebens austauschen. Das alles natürlich in hübschen Universtätsuniformen und nett zurecht gemacht.
Blöd nur, dass gerade Semesterferien sind und nur wenige Studenten hier sind.
Nen Campus, de rmeinen Vorstellungen entspricht, habe ich auch nicht gefunden.
| hübsche Farbe - so fröhlich. Das animiert zum Lernen |
Hinzu kommen noch zwei noch kleinere Schreibtische und ein Schrank, in dem gerade mal Platz für meine Unter- und Nachtwäsche ist.
Also mir ist schon klar, dass die jungen Leute sich auf das Studieren konzentrieren sollen.
Aber ich würde mich hier als Student mit ganz anderen Dingen auseinandersetzen müssen: wo lasse ich meine Shiseido-Kollektion in einem Bad, das nicht einmal einen anständigen Spiegel - geschweige denn eine angemessene Dusche bietet.
So könnte ich nicht lernen!!
Was mir sonst noch in León aufgefallen ist:
Unterwäschewerbung ist deutlich geschlechtsspezifisch.
Die Mädchenwäsche entspricht dem Bild der spanischen Frau: gesittet, immer in der Gruppe auftretend und sehr brav.
Bei den chicos ist das schon anders: die sind etwas ungezügelter und haben scheinbar mehr Spass.
Ausserdem : Jungs mögen es viel bunter!
Man steht also auf einer Mauer, die das Imperium Romanum vor 2000 Jahren von hiesigen Freiwilligen hat errichten lassen.
Icke: Ist das nicht toll? Gibt´s so nirgends sonst.
Er: Jo, geht so.
"Geht so". Was sagt man dazu? Da hätt ich´s ja auch gleich daheim vor dem Bullauge der Buntwäsche sitzen lassen können. Da bewegt sich was und es sprudelt so schön. Aber dafür gab´s ja später bunte Fensterlein.
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