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Mittwoch, 18. September 2013

Das Bergdorf ruft

Bald kann ich keine Bergdörfer mehr sehen. Alle hiesigen Bergdörfer "ruhen auf einem Felsen" oder "sind dramatisch an einen Felsen gebaut". Alle haben einen "mittelalterlichen Stadtkern", man sollte sie "abends besuchen" und unbedingt "im Sommer meiden". Tja, stimmt alles. Leider ist hier immer Saison. Vielleicht sollten wir noch einmal an einem Wintermittwoch so um Mitternacht vorbeischauen.

Die gestrige Fahrt nach Saint-Paul-de-Vence führte an Tourrettes vorbei. Ich glaube, das heißt Türmchen und man kann ganz gut erkennen, warum.

ruht auf Felsen

an den Fels gebaut


 Dicki blieb diesmal zuhause und so durfte ich im winzigkleinen Fahrzeug der K&Ks mitfahren und sogar vorne sitzen. Das hatte allerdings zur Folge, daß ich zum Lavendelduftsackdrücker wurde und das kam so: Frau K. hatte sich bereiterklärt, hinten zu sitzen, ihren Mann aber vorher wohlweislich Stein und Bein schwören lassen: 1. niemals über 50 Km/h zu fahren, vor allem nicht auf kurvigen Strecken, also immer und 2. die Bremsschwellen niemals mit mehr als 30 Km/h zu überqueren und 3. die Kreisverkehre niemals "ruckartig lenkend" zu durchfahren, was immer das heißen mag. Ich war dafür zuständig, das auf dem Lüftungsschlitz des Armaturenbretts liegende Lavendelduftsäckchen in regelmäßigen Abständen zu kneten, auf daß es Lavendelduft verströme. Die Klimaanlage wurde dazu auf maximalen Durchzug gestellt, sodaß ein Lavendelduft-Jetstream entstand. Die Fahrweise des Herrn K. wurde derweil durch leises Stöhnen von der Rückbank kommentiert. Diese Frau kann ihr Augenrollen hörbar machen, es ist faszinierend. Dann mußten SOFORT alle vorderen Fenster halb herabgelassen und die Frischluftzufuhr gewährleistet werden. Die hinteren Fenster waren stets geschlossen zu halten, denn "sonst zieht´s". Gleichzeitig hatte ich das Lavendelduftsäckchen zu kneten. Nun ist es schwierig, alle Regeln gleichzeitig zu befolgen, wenn man z.B. an einer Déchetterie vorbeifährt (klingt viel eleganter als Müllhalde, ist aber dasselbe) Herr K. lenkte also einhändig über die Serpentinen, ließ die Fenster halb herab und ich hatte zu kneten und mußte währenddessen nach hinten Mitleid heucheln. Dort sah ich dann durch´s Heckfenster alle anderen Franzosen, die gerne schneller als fuffzig gefahren wären. Herr K. allerdings, durch langes Beifahrertum seiner Frau vorsichtig geworden, legt sich lieber mit ungeduldigen Franzosen an als mit seiner Frau. Eine weise Entscheidung.



Ich wollte nach Saint-Paul-de-Vence, weil Marc Chagall hier begraben liegt, Frau K. wegen der Aussicht. Das Grab ist schlicht und vom Friehof kann man bis nach Nizza gucken.

in den 50er Jahren war hier nur Wald

Aussicht auf der anderen Seite
Im Ort selbst gibt´s moderne Kunst ohne Preisschild zu sehen. Ich glaube, da wohnt keiner mehr. Und wie überall sind alle anderen auch schon da. Schrägerweise ist ein Bouleplatz übrig geblieben, der sogar benutzt wurde.

 Die Herren sahen auch ganz authentisch aus, obwohl ich mich anfangs fragte, ob die wohl allmorgendlich aus der Stadt hergekarrt werden, um den Touristen ein Fotomotiv zu liefern. Hab´ mich dann nicht zu fragen getraut.

Als Abendessen hatte ich mir ein raffiniertes Fischgericht ausgedacht: Fisch aus´m Ofen an Resten vom Vortag. In meiner Begeisterung über mich selbst und den Fischkauf an sich hatte ich leider vergessen, den entzückenden Fischverkäufer darum zu bitten, dieselben auszunehmen. Das blieb dann natürlich an mir hängen.

noch allet frisch

 Man saß dieweil im Wohnzimmer und bewunderte das Kaminfeuer. Ich entschuppe und enddarme die Loups-de-Mer und wird mir wenigstens ein bisschen gehuldigt? Mitnichten. Was muß ich hören?  "Der hat ja noch Gräten" Ja, Fischlein haben Gräten, anders als Fischstäbchen. Den Stinkmüll durfte ich dann auch noch wegbringen, man fand den Weg zu dunkel. War nicht so schlimm, bis zur Tonne sind´s nur 500 Meter.




Am Ende des Tages, ein rosa Wölkchen, nur für mich!



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