Wie wir ja bereits angekündigt haben, sind wir seit Mittwoch auf dem Boot und sind somit von der Aussenwelt - zumindest internettechnisch - abgeschnitten. (was ja so eigentlich auch nicht stimmt, denn für teuer Geld könnte man sich minutenweise das Recht aufs Internet erkaufen - aber dafür sind wir zu geizig und verfressen das dabei Gesparte lieber)
Von Rom mussten wir nach Civitavecchia, da Rom ja bekannterweise keinen Meeranschluss hat. Und war es bislang nur kalt in der italienischen Hauptstadt, so regnete es sich am Mittwoch so recht schön ein.
Macht ja nischt, wenn man mit dem Taxi zum Terminal kutschiert wird und danach trocken in der Bahn sitzt.
| sturmgepeitschte Ausfahrt aus Civitavecchia |
Ja, das war in der brütenden Hitze Brasiliens. Hier nimmt man das nicht so genau mit den Wettereinflüssen, derer sich die Gäste aussetzen.
Egal, mittlerweile sind wir wieder trocken und der Regen ist zuerst einem kleinen Sturm gewichen - da läuft man den ganzen Tag über, als wäre man besoffen - und seit Donnerstagmittag muss das Nebelhorn in sehr regelmäßigen (und vor allem kurzen) Abständen bedient werden, da man aus dem Fenster heraus gar nischt mehr sieht.
| Stromboli - zwar nicht vor dem Ausbruch, aber trotzdem kaum sichtbar - Nebelschwaden! |
Wir mutmassten ja, dass wir gar nicht auf See sind, sondern in einem speziellen Traumschiffsimulator - aber seit einiger Zeit wird es wärmer, der Nebel ist weg und wir sind gespannt, welche wettertechnischen Herausforderungen jetzt folgen werden.
Soweit zum Wetter. Kommen wir zum Boot: NCL (NorwegianCruiseLines) verfolgen ja das Konzept des Freestyle-Cruisings - man kann so rumlaufen, wie es einem gefällt und wie man sich wohlfühlt.(Großer Fehler!!!! Zu viel Gestaltungsfreiraum!)
Was dabei allerdings vernachlässigt wird, ist die Tatsache, wie sich die anderen fühlen, wenn man so rumläuft, wie man will. Kein wirklich schöner Anblick und manchmal sind ja lange Hosen und Ärmel nicht nur dekorativ schön sondern verhüllen dezent das ein oder andere, das man nicht sehen möchte.
Das Publikum ist bunt gemischt - was sowohl die Nationalitäten, das Alter und den Geschmack betrifft. Sehen wir es mal als ganz besondere Herausforderung an: ich bin mir ganz sicher, dass ich noch über das eine oder andere stylistische Highlight berichten kann (muss....)
Unsere Kabine ist gaaaaaaaaanz weit vorne - was hier Bug heisst - und ist so gross wie unser Esszimmertisch daheim. Dafür ist das Bett prima und so haben wir uns heute wegen des Wetters, der Mitreisenden und vor allem wegen der eigenen Faulheit nur zum Essen aus der Kabine bewegt (was allerdings auch schon 4 mal war) Da sage mal noch einer, dass man sich an Bord von Schiffen nicht ausreichend bewegt!
| am Strand von Katakolon - vorm Bootchen |
Mittlerweile sind wir wieder an Land - in Katakolon (das liegt auf dem Peloponnes, wie mir heute morgen augenrollend mitgeteilt wurde(ich glaube ja, es heißt die Peloponnes, also in dem Fall der Peloponnes))
Hier gibt es wirklich nichts: ein Geschäft reiht sich ans nächste und alle 3000 Passagiere wälzen sich durch die Stadt, es sei denn man hat nen Ausflug gebucht - dann wird man im Reisebus durch die Gegend kutschiert. Das wollten wir aber nicht, denn wir sind ja eher menschenscheu!
Und warum wir nicht nach Olympia gefahren sind, kann Christoph erklären.
Zunächst eine kleine Anmerkung zum Essen. nicht ich hatte gestern mehrere Vorspeisen, sondern er.
Ich:"Ißt Du auch noch Nachtisch?"
Er:" Ja. Warum nicht ?" (immer schön passiv aggressiv)
Ich:"was gibt´s denn?"
Er:"Bread-and-butter pudding"
Ich:"so ganz trocken?"
Er:"Nee, mit Karamellsauce"
Ich:"Um die Zeit? Weißt Du denn, was Karamell ist?"
Er:"Ja. Lecker."
Na ja, vielleicht muß man dabei gewesen sein.
| Zitronenbaum im Garten - will ich auch! |
Ich finde Freestyle-Cruising gar nicht so schlecht, so muß man nicht im Dreiteiler beim Abendessen sitzen und in die Suppe schwitzen. Leider hat Freestyle zur Folge, daß einige in Flipflops zum Essen kommen und das muß ja nun wirklich nicht sein, zumindest nicht in abgeschlossenen Räumen. Im Café an Deck ist mir sowas wurscht. Call me old-fashioned.
Dicki hat schon recht, es gibt auch sonst an Bord viel zu sehen. Die üppige Brünette zum Beispiel, die gestern am Abend neben uns saß und ein gar kurzes Röcklein anhatte. Dicki kam kaum über die Halterlosen hinweg.
Und die Manieren? Mit beiden Ellenbogen fest auf dem Tisch parkte sie ihren Vorbau auf einem Unterarm und löffelte geschickt ihr Süppchen. Ich war ganz fasziniert, wie sie kleckerfrei alles manövrieren konnte. Von ihrem Begleiter allerdings konnte man dergleichen nicht behaupten, was aber auch nicht schlimm war, hatte er doch die Serviette in den Kragen gesteckt. Die war schwarz und paßte so gar nicht zu seinem eierschalefarbenen Hemd.
Auf Olympia hatte ich keine Lust. Außer olympischem Geist ist da nix. Einen kleinen griechisch-römischen Ringkampf hätte ich mir ja noch gefallen lassen, aber Grundmauern gucken finde ich doof, außerdem gab´s Ruinen in Rom. Wahrscheinlich werde ich´s den Rest meines Lebens bereuen aber dann denke ich mir einfach, daß Dicki Schuld ist.
Ich wollte ja hin und dafür demonstrieren, dass Ringen olympisch bleibt.... durfte ich aber nicht - stattdessen muss ich jetzt im Kaffee sitzen und frisch gepressten Mandarinensaft schlürfen. Im Geiste bin ich selbstverständlich in der Arena und stelle mir die Spiele vor.
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