Wir wohnen in Taipeh strategisch günstig direkt hinter dem
Tempel. Da kann man morgens vor dem Frühstück schon mal für gutes Wetter beten
gehen oder abends noch mal eine Runde im Räucherstäbchen-Qualm drehen.
Es ist ja gerade das Jahr des Schweins und aus diesem Grund
steht am Eingang vom Longshan Temple das erste Exemplar aus Pappmaché – da
stellen sich alle drunter und fangen schon mal an zu beten.
Den Tempel betritt man (natürlich!) durch das rechte Tor,
das Drachentor und kommt zu einem Tisch, auf dem die Opfergaben stehen –
dachten wir jedenfalls.
Bislang kannte ich es in Asien so, dass der gläubige
Buddhist ein paar Lebensmittel oder Blümchen in den Tempel bringt und diese
dort als Opfergabe für die jeweilige Gottheit belässt. Hier ist das anders: man
stellt die Tüte Reis, die Cracker, Orchideen oder auch die Flasche Wein auf den
Tisch und geht beten. Währenddessen werden die abgestellten Dinge durch
wundersame Weise gesegnet (oder was auch immer) – jedenfalls nimmt man nach dem
Bet-Rundgang den Jutesack raus, steckt alles mitgebrachte wieder ein und geht
nach Hause – abends hat man dann im wahrsten Sinne eine gesegnete Mahlzeit.
Gottheiten stehen natürlich auch überall rum.
Da gibt es den
Ehestifter-Gott, bei dem vor allem ganz junge oder eher ältliche Damen für den
perfekten Gatten bitten.
Gleich daneben steht Guan Gong, der Gott der Polizisten und
der Diebe – wie praktisch, dass das ein und der selbe ist. Naja, meistens liegt
zwischen diesen beiden Berufsgruppen ja auch nur ein schmaler Grad.
Drinnen gibt es natürlich auch noch ein paar Schweine. Das
lustig auf einer Erdbeere tanzende fand ich am besten.
Der junge Mann an der
Hotelrezeption erklärte uns später, dass dieses Schwein wahrscheinlich von
einem großindustriellen Erdbeerbauern gespendet wurde, damit die Ernte in
diesem Jahr gut wird.
Im Qingshan Tempel ein paar Meter weiter stehen eine Reihe
von Göttern friedlich nebeneinander: die Höllengötter in schwarz , die
Himmelsgötter in weiß. Was die unterschiedlichen Bartfarben zu bedeuten haben,
haben wir nicht herausgefunden.
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