Herzlich willkommen auf unserem ReiseBlog.



Freitag, 21. September 2012

El ultimo dia

In Ermangelung anderer Fotos geht´s heute nur um´s Essen. Gestern sind wir in Madrid angekommen und Dicki wollte am gleichen Abend noch in den Prado, Bosch studieren. Man kann zwar nahe heran, aber zum Mitnehmen reicht´s nicht.
Dann wollte ich eigentlich Süßes von den Nonnen kaufen. Die haben außer beten nichts anderes zutun, als Zuckerteig mit Mandelmasse zu füllen und an Ungläubige zu verticken. Leider war man anderweitig beschäftigt. 

böse Worte an der Pforte
Bis Montag wollten wir nicht bleiben.

Bevor ich´s vergesse: warum gibt es eigentlich außerhalb Spaniens keinen Mandarinensaft?

Heute waren wir nur bummeln, um unseren Aufenthalt entspannt ausklingen zu lassen. Da ab 18.00 Uhr die U-Bahn bestreikt werden sollte, mußten wir uns beizeiten auf den Rückweg machen. Außerdem hatten wir ja noch vor dem Abendessen einen kleinen Nachmittagsschlaf zu genießen. Der ist wichtig, weil man zwischen Café con Leche mit Mandelsplitterteilchen und dem Abendessen Zeit lassen soll.
Um die Ecke auf der Plaza befindet sich ein schönes argentinische Steakhaus:


Von den Vorspeisenpilzen habe ich eigentlich nur den Strunk bekommen (ist das ein Wort?) Dafür wurden mir die sauren Sardinen überlassen.
Viel wichtiger ist allerdings der Papierservietten-spender, der nirgends fehlen darf. Er spendet hauchdünne Papierchen, von denen man dann ein Dutzend braucht.


Lomo argentino und abgenagte Olivenkerne.

@Eric: Gracias por(!) su visita.

nota bene: Rotweinglas ist noch immer voll.

Mittwoch, 19. September 2012

De Prinz kütt...

nicht ganz. Nach der Besichtigung von Dickis letzter Kathedrale in diesem Urlaub lustwandelten wir am Ufer des hiesigen Flusses und wer sollte uns begegnen?
Frau Sonderburg-Glücksburg de Bourbón y Bourbón, die´s ja auch nicht leicht hat. Zwei ungeschlachte Töchter und einen Mann, der in fernen Landen seltenes Getier erlegt.
Also ich habe da gleich mal den richtigen und kompletten Namen auf Lager: Sophia Margarita Victoria Friederika Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg Hannover, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, Prinzessin von Griechenland und Dänemark - Königin von Spanien 
DAS ist ein Titel - sowas will ich auch: König Dicki!!!!!
Punkt 19.00 Uhr, mit dem Bimmeln des Glöckchens über der Hauptpost, fuhr sie in einem deutschen Wagen der Oberklasse unter Beifall der Rentner und Pfiffen der Anarchisten in den Hof des Museums der menschlichen Evolution. Ironisch, gell?
sieht doch für ihr Alter noch flott aus!!!!

Die Vertreterin einer Staatsform von vorvorgestern muß ein solches Haus eröffnen. Was die da wohl denkt?
Ich finde das ungerecht: die Arme (naja, das ist sie nun wahrscheinlich am wenigsten) muss sich immer wieder böse Dinge anhören! Das hat sie nicht verdient!
Letzte Beratung vorm Auftritt -
wie war das mit dem Protokoll nochmal?









Dicki war janz uffjerecht. Wann kommtse denn? Wat hatse an?
Also wenn ich König/in von Deutschland - oder alternativ eines anderen Landes - wäre (ich möchte den TITEL) dann würde ich IMMER mein Krönchen tragen!!!
Und prompt als Frau SGdByB auf den Hof fuhr blinkte hektisch die Batterieanzeige. Das ist nun wirklich nicht gerecht: da fotografiere ich den ganzen Tag den Rokoko-Barock und dann im wichtigsten Moment dieses Urlaubes - als die KÖNIGIN erscheint - geht mir der Saft aus - also nicht wirklich mir, sondern meiner Kamera



Fans - in historischer Tracht
und die, die gegen die Monarchie sind
Und jetzt, da ich mich mit dem Hochladen und Platzieren der Bilder im Blog abmühe, sitzt die Königin im Kulturzentrum und lässt sich von Beethoven beschallen. 
Und dank der Technik wird das ganze vom spanischen Fernsehen live übertragen - es ist, als würde ich direkt neben der Königin sitzen......ach, mir ist so warm ums Herz!!!!!!

Ja, beim letzten Satz der Neunten kann man wenig falsch machen. Der Chor ist ganz entzückend mit spanischem Akzent: Uberm Chternenshelt mush ein lieber Fader wohnen. Sopran hat einen Megadutt und ist zu laut. Wir singen falsch mit.

Burgos

Nachdem wir gestern im Heim wohnten, sind wir heute im Boutiquehotel abgestiegen.
Die heißen ja nur deshalb Boutiquehotels, damit sie für den gleichen Platzaufwand wie ein Studentenwohnheim den doppelten Preis verlangen können.
Ganz schlimm sind Boutiquedesignhotels. Da kann man dann die Koffer gleich im Auto lassen und Klopapier gibt´s nur auf Knopfdruck zugeteilt, damit die blöde Rolle den Gesamtdesigneindruck in der Naßzelle nicht stört.
Blick aus´m Hotelzimmer - prächtig!!!

Die Lage des Hauses ist allerdings unschlagbar. Mit direktem Blick auf die Altstadtbrücke und nur zweieinhalb Minuten zur nächsten Tapasbar kann man sich nun wirklich nicht beschweren.

Nur einen kurzen Weg und schon steht man entweder vor der Kathedrale oder vor einer Bodega.
Dicki war heute noch einmal ganz tapfer, weil ich ihn mit einem abschließenden Bummel durch Madrid bestochen habe. Allerdings hat er doch tatsächlich gemeint, man könne ja noch einmal den Prado besuchen. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Ein Wunder war auch die Zentralkuppel, eindeutig plateresk!

Und hat man sich durch 1000 Jahre Hochkultur gearbeitet, was immerhin anderthalb Stunden dauert, zumindest wenn man´s halbwegs ernst nimmt, kommt man noch an der Überdosis Kitsch vorbei. Das war selbst Dicki zuviel. Man steht hinterm Kreuzgang und kann´s kaum glauben.



 überraschung!

Im Studentenwohnheim in León


Nachdem es gestern gleich zwei Messen gab und ich immer noch ganz begeistert von dem Ablauf inklusive dem ganzen Brimborium bin, mussten wir heute dann doch unseren Weg fortsetzen.
Unser Zimmer: Grace - wenn das nicht passt!

Im Hinblick auf den Titel des heutigen Posts ist es noch ganz wichtig zu erwähnen, dass wir zwei wunderbare Nächte in dem Hotel Casa Reais - die königlichen Häuser - hatten.

Heute waren wir zunächst in Lugo. Lugo ist nicht hübsch, hat aber eine alte Stadtmauer, die
ca. 2.000 Meter rund um die Altstadt geht und mindestens 2000 Jahre alt ist.
Und ich habe ja schon gelernt, dass das dann wohl römisch sein muss.

keine Schuhläden und auch nischt zu essen



Ich fand es eher öde - auf der Mauer gab es keine hübschen Lädchen zum Gucken und die alte Stadtmauerarchitektur ging auch nicht so recht an mich.....ich wurde selbstverständlich ganz böse hinsichtlich meiner historisch-architektonischen Ignoranz ausgeschimpft. Damit konnte ich allerdings ganz gut leben....





Aus Ermangelung weiterer bedeutender Bauwerke haben wir dann Lugo auch gleich wieder verlassen und sind durch die Berge gen Leon gefahren.
Und da ist auch schon wieder viel schöner: es gibt ne Altstadt mit Fussgängerzone und eine furchtbar wichtige Kathedrale mit vielen, vielen bunten Bleiglasfenstern.

Eigentlich ist das Ding ja gotisch, hat aber einen Chor aus der Renaissance und im Barock wurde ne Kuppel oben drauf gesetzt.
Da die Bauherren aber damals scheinbar zu viel lecker Wein getrunken hatten, haben die sich mit der Statik verkalkuliert und somit musste die Kuppel wieder runter. 
Man kann sich aber auch auf gar nichts mehr verlassen und ich möchte nicht wissen, was mit dem Baumeister nach Bekanntwerden seines Fehlbaus angestellt wurde.

Ich fand´s trotzdem toll - so schön bunt und hoch und überall steht ne heilige Maria rum - mal jungfräulich, mal schwanger - mal aus Holz, mal aus Stein.

Zur Belohnung gab es dann abends lecker einheimisches Essen aus Leon: mit Kabeljau gefüllte Paprikaschote und danach ne braune Masse , die aussah , als ..... naja, lassen wir das lieber.

Klugerweise hat Christoph mir erst nach dem ich freudig meinen Gefallen an der Leckerein bekundet gesagt, was da schon zur Hälfte in meinem Bauchi angekommen war: Blutwurst-Reis-Matsche-Auflauf...
Aber ich gebe ja - auch jetzt noch - zu, dass es sehr lecker war.
Zur Belohnung gab es noch leonischen Käsekuchen.

Ja und nun komme ich auf den anfänglichen Hinweis unserer Unterkunft in Santiago de Compostela zurück: heute haben wir nämlich ein Zimmer im hiesigen Studentenwohnheim.
Also meine Assoziation mit Studentenwohnheim waren ja eher die jungen kackigen Studenten, die sich lernend auf dem Campusrasen niedergelassen haben und in kleinen Grüppchen über Hausaufgaben und den Sinn des Lebens austauschen. Das alles natürlich in hübschen Universtätsuniformen und nett zurecht gemacht.
Blöd nur, dass gerade Semesterferien sind und nur wenige Studenten hier sind. 
Nen Campus, de rmeinen Vorstellungen entspricht, habe ich auch nicht gefunden.

hübsche Farbe - so fröhlich.
Das animiert zum Lernen
Und so ein Studentenzimmer ist auch nicht dass, was ich aus dem Film "Der Club der toten Dichter" in Erinnerung hatte: da stehen zwei winzige Betten in einem Raum, der kleiner als unser Esstisch zu Hause ist. 
Hinzu kommen noch zwei noch kleinere Schreibtische und ein Schrank, in dem gerade mal Platz für meine Unter- und Nachtwäsche ist.
Also mir ist schon klar, dass die jungen Leute sich auf das Studieren konzentrieren sollen.
Aber ich würde  mich hier als Student mit ganz anderen Dingen auseinandersetzen müssen: wo lasse ich meine Shiseido-Kollektion in einem Bad, das nicht einmal einen anständigen Spiegel - geschweige denn eine angemessene Dusche bietet.
So könnte ich nicht lernen!!

Was mir sonst noch in León aufgefallen ist: 

Unterwäschewerbung ist deutlich geschlechtsspezifisch.

Die Mädchenwäsche entspricht dem Bild der spanischen Frau: gesittet, immer in der Gruppe auftretend und sehr brav.

Bei den chicos ist das schon anders: die sind etwas ungezügelter und haben scheinbar mehr Spass.

Ausserdem : Jungs mögen es viel bunter!


 






Man steht also auf einer Mauer, die das Imperium Romanum vor 2000 Jahren von hiesigen Freiwilligen hat errichten lassen.
Icke: Ist das nicht toll? Gibt´s so nirgends sonst.
Er: Jo, geht so.

"Geht so". Was sagt man dazu? Da hätt ich´s ja auch gleich daheim vor dem Bullauge der  Buntwäsche sitzen lassen können. Da bewegt sich was und es sprudelt so schön. Aber dafür gab´s ja später bunte Fensterlein.

Montag, 17. September 2012

Seelenheil

Heute waren wir zweimal in der Kirche.
In Ermangelung anderer Glaubensrichtungen waren beide Male katholisch. Mittags ist Pilgermesse, da müssen immer alle hin. Da kommen dann Einheimische, Reisebusgruppen und Zufußpilger zusammen. Alle werden gegrüßt, manche auch in der Landessprache.

Als Unkatholische und sowieso Zuspätkommer durften wir nur an einer Säule lehnen und zugucken. Das war eigentlich ganz gut so, weil ich ja eh nicht weiß, wann man aufstehen muß oder sich hinknien, vom Mitsingen ganz zu schweigen.
Am Anfang hat eine Nonne mit allen singen geübt, damit das dann später besser klappt.
Laudamus und so.
Viel genutzt hat es nicht, man war eher enthusiastisch als musikalisch.
Die meisten wussten aber, wie man´s macht, die waren wohl früher alle im Seminar.
Dann kamen sage und schreibe acht Priester und begannen mit der Messe.
Natürlich war nur einer der Chef und die anderen durften zwischendurch die verschiedenen Gruppen grüßen ("Wir grüßen zehn Pilger aus Pforzheim, aus Burgos kommend"). Sowas dauert eine Weile, dabei ist eine Messe an sich gar nicht so lang.
Punkt zwölf kommt dann Angelus, dann Brief an die Korinther und schon wird Wein gereicht.

Während des Abendmahls passierte dann das, weswegen eigentlich alle gekommen waren.
Die Show an sich ist ja schon nicht schlecht, aber wenn dann noch von vier Mitarbeitern der weltgrößte Weihrauchkessel geschwenkt wird, bleibt kein Atheistenherz trocken.



Das Ding ist aus Silber, hängt unter der Kuppel und wird von der einen Seite des Querhauses in die andere geschwenkt, und zwar bis fast zur Decke. Nach der Vorführung großer Applaus.

http://www.youtube.com/watch?v=N7zA-jaMerA

Um 15.00 fanden wir uns beim Treffpunkt für die Stadtführung ein. Da wir die einzigen blieben, kamen wir in den Genuß eines Privatrundgangs.
In zwei Stunden rund um die Kathedrale.
Der freundliche junge Mann empfahl uns für den Abend noch eine Kirche mit Nonnengesang. Und so besuchte Dicki zum zweiten Mal an einem Tag eine katholische Messe.
Die Nonnen waren nicht der RIAS-Kammerchor aber die Damen kommen zum Üben ja auch nie raus. Rechts hinten gähnte eine, rechts vorn sang nicht mit, der Priester hatte eine sehr schöne Stimme, allerdings wäre sogar ich ihm gerne als Stütze entgegengekommen. Man hatte den Eindruck, er hätte die Entdeckung Amerikas miterlebt.
Morgen fahren wir nach Lugo, römische Reste gucken.

Sonntag, 16. September 2012

Beim Heiligen Jakob

Schon vor längerer Zeit habe ich Dicki verboten, Leute ohne ihr Einverständnis zu fotografieren. Dergleichen ist unhöflich und unzivilisiert. Er macht´s oft trotzdem. Jetzt allerdings hätte ich gerne ein Foto der beiden erschöpften Herren präsentiert, die uns schlecht gelaunt gegenübersitzen. Die sind ganz schrecklich müde vom Pilgern. Aber sollte man im Angesicht des Seelenheils nicht glückselig lächeln? Man muß nur spazieren gehen und schon gibt´s Vergebung. Früher hätte man als guter Katholischer noch seine Groschen für einen Ablaß zusammenkratzen müssen, jetzt greift man sich einen Stock, packt den Rucksack und los geht´s. Und weil ich nicht katholisch bin, wartet auf mich ja sowieso die ewige Verdammnis. Nix mit Fegefeuer, gleich Hölle. Da treffe ich dann auch die Dicke, die gerade im Fernsehen Flamenco singt.
Wir wohnen direkt am Eingang zur Altstadt, da, wo alle durchmüssen, die aus Frankreich kommen. Und daher kommen ja eigentlich fast alle.

ja, wo isser denn?

Wir schauen also von unserem GinTonic auf und bestaunen die Wandernden, die sich an uns vorbei bergan schleppen.
Er: Also, das sollten wir auch mal machen
Icke: Ähh, Du fährst im Cabrio ins KaDeWe und willst durch Nordspanien laufen?
Er: Vielleicht gibt´s das mit Gepäckvorausschickung.
Icke: Genau! Und so wie Du zur Bar humpelst, ist dein Rücken so richtig fit.
Er: Ich hab´ Rücken vom vielen sitzen gestern.

Das dürfen wir nicht vergessen zu erwähnen. Gestern fuhren wir von nordöstlich von La Coruna nach südwestlich von La Coruna. Eltern kennen das: Sind wir bald da? Die Laune auf beiden Seiten sank, das muß man auch mal sagen. Zum Glück hatten wir am Abend ein nettes Hotel gefunden und ein Zimmer mit Dachbalkon. Da trinkt sich der Rioja viel angenehmer.
Die Aussichten waren trotzdem schön.


mit Leuchtturmkrönchen








Morgen haben wir die Teilnahme an einer Kulturführung geplant. Allerdings ist die schon um 15.00 Uhr und sowas kollidiert ja gerne mit dem Mittagsschlaf.