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Samstag, 10. März 2012

Kleiner Grenzverkehr, durch die Anden und Popayan

Wir haben ja schon eine Reihe von Grenzen überschritten, vorgestern gab es eine weitere Erfahrung in Sachen "Kleiner Grenzverkehr": das Passieren der Grenze von Ecuador nach Kolumbien.

Ecuador

Man fährt mit dem Bus ins grenznahe Örtchen Tulcan, wuchtet sein Gepäck auf die Strasse und sucht nach einem Taxi, das einen an die Grenze bringt.
Da muss man dann wieder alles auspacken, das Taxi bezahlen und dann den Schalter für die Ausreise suchen.
Wenn man Glück hat, arbeitet auch einer der Grenzer (es gab einen zweiten Beamten, der aber erst einmal seinen Rechner hochfahren musste - und das kann dauern...)

Nach Ewigkeiten des Anstehens bekommt man endlich seinen Ausreisestempel, der allerdings hochmodern mittels einer Maschine eingedruckt wird - ratter, ratter, ratter, ratter, ratter, ratter......ratter, ratter... und schwups ist der Stempel im Pass - die herkömmliche Art und Weise des Stempelns ginge wesentlich schneller, aber wen kümmert´s - hier man ja Zeit und Personal.

Geschafft: aus Ecuador ausgereist ist man schon mal.

Kolumbien - sieht fast genauso aus - nur ohne Tiere
 Jetzt führt uns der Weg über die berühmte Grenzbrücke über das Grenzflüsschen. (das wäre doch der optimale Platz für einen neuen Agententhriller)
Auf der anderen Seite angekommen, erwarten einen dunkle Gestalten, die mit dicken Geldbündeln wedeln.
Was die wohl verticken wollen?
Die sind ganz harmlos und wollen nur Geld wechseln - wurde in Equador irgendwann mal der US-Dollar als offizielle Währung eingeführt, lautet die - inflationäre - Währung in Kolumbien Pesos. Für ein paar Dollars bekommt man ein dicken Bündel an Pesos, wenn das kein Tausch ist!

Aber weiter zum Grenzübertritt: auf kolumbianischer Seite sucht man nun wiederum den Einreiseschalter, bekommt seinen Stempel nachdem der Grenzer einen vollgetextet hat.
So, geschafft. Jetzt geht es zurück auf die Strasse, um wiederum ein Taxi zu suchen, das uns ins grenznahe Örtchen (diesmal auf kolumbianischer Seite) bringt.
Von hier aus kann man dann wiederum nen Bus suchen, um weiterzufahren oder man folgt dem Rat des Taxifahrers und checkt in einem Hotel ein, um sich erst einmal von den Strapazen des Tages zu erholen.

Merke: Traue keinem Taxifahrer: Das Hotel lag verkehrsberuhigt ausserhalb des Örtchens, so dass man erst einmal ewig laufen muss, um zum Marktplatz zu kommen.
Dafür wohnt nebenan der am ausdauerndsten kläffende Köter Kolumbiens.
Aber: der Taxifahrer hat seine Provision bekommen.



Als Belohnung haben wir uns dann noch die hiesige Kirche angesehen: Las Lajas - wunderbar über ein Flüsschen gebaut - sieht aus wie ne Brücke mit Kirche und ist furchtbar wichtig: da hier ganz viele Wunder geschehen. So eine Art Lourdes für Kolumbianer.


Für die vielen Wunder wird sich auch fleissig bedankt: es wird ein kleines Täfelchen gebastelt und dann irgendwo angebracht, wo noch Platz ist.
Wunder über Wunder

sogar rund um den Mülleimer wird gedankt
 
Übrigens:  Hier in Kolumbien funktioniert auch meine EC-Karte wieder - hurra!!! Da war auch gar keine orinoco-Mecker-Mail mehr notwendig.

Das war vorgestern, wenn mich nicht alles täuscht, denn gestern haben wir den Tag auf der Panamericana verbracht.
Erst im Minibus von Ipiales nach Pasto, wo kolumbianische Schnulzen gespielt wurden.
Als dann "Bésame mucho" als Merengue kam, mußte ich doch sehr lachen. Danach wurde aus dem Minibus eine Buseta. Noch kein richtiger Bus, aber ein Kleinbus, also kein Minibus mehr.

nur noch fünf Stunden, vielleicht
Da fährt sich´s bequemer und es gibt Videounterhaltung in Form eines synchronisierten Bruce Willis, der die Welt rettet.
In einer Buseta kann man auch mal länger sitzen, oder wie die Hübsche am Schalter sagte: "Tja, die Fahrt dauert mindestens fünf Stunden, aber man kann nie wissen, wegen der ganzen Baustellen und so."

Da wir vorher in Las Lajas zur heiljen Jungfrau gefleht hatten, ging alles ganz fein. Die Landschaft ist wunderschön, man fährt beständig bergab und wärmer wird´s auch noch.
Reparatur während Bruce die Welt rettet

Nachdem Bruce die Welt zuende gerettet hatte wurden dann die neuesten Schlager aufgelegt und so langsam sang man mit.

War fast wie Klassenfahrt. Tu amor duele (Deine Liebe tut weh),  Besos de duda (Küsse des Zweifels) und so weiter. Sozialkritische Liedermacher sind hier in öffentlichen Transportmitteln nicht so gern gehört.
Uns war´s ganz recht, denn wir wollen ja in die richtige Salsastimmung kommen.

viel Landschaft - noch hell


Irgendwann reicht das Gekurve dann doch und im Dunkeln sieht man ja nix.







Jetzt sind wir in Popayán, es ist gerade mal Mittag vorbei und wir sitzen beim dritten Saft des Tages.
Ich find´s schon kurzhosenwarm aber Dicki hat mir verboten in Bermudas und Schlappen auszugehen, das täte ich daheim schon zu oft.
In Schlappen Salsa tanzen kann eh nur der Südamerikaner, als hüftsteifer Euro kann man sich da nur die Knöchel brechen.




Das Städtchen ist sehr hübsch und alles ist wiederaufgebaut, nachdem ein Erdbeben 1983 zugeschlagen hat. Alle sind furchtbar nett zu uns und man sieht keine Touristen außer uns. Verständigungsschwierigkeiten gibt es kaum, außer regionalem Genuschel oder völlig unbekanntem Vokabular. Wer weiß schon, was Lulo ist? Ist jetzt Dickis Lieblingssaft. Lulo con Leche. Wohl bekomm´s!

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