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Dienstag, 29. November 2016

Akko

Nachdem ich Caesarea eher mäßig fand, gab ich Akko die Chance, es so richtig rauszureißen. Ich sag´ mal so: immerhin hat´s keinen Eintritt gekostet.





Vor der Großen Moschee steht ein gar wunderhübsch Brunnenhäuschen, daß mit der hier üblichen Geschmackssicherheit verschrabbelt (schrabbeln ist kein Wort!!) wird. Immerhin gab´s den Hafen schon zu phönizischer Zeit, da könnte man sich ja ein wenig bemühen. Leider nein.

Heute also im Angebot: Pluderplunder für nur Fuffzehn Schekel.










Und was, fragt sich der gebüldete Leser, ist denn wohl aus den Karawansereien der Osmanen so geworden? Nix ist da geworden, außer Parkplatz und Gerümpel. Napoleon dreht sich im Grabe um, der wollte das mal erobern. Natürlich scheiterte er an den tapferen Briten.

Caesarea

Heute musste ich einen Ausflug machen - soll heissen: es wird ein Auto gemietet und ICH muss fahren... (Begründung: " ich habe nicht die Nerven für den Verkehr hier im Nahen Osten, ausserdem bist Du in Beirut auch gefahren..." - bedeutet also, dass ich immer fahren muss, wenn der Verkehr aufregender als der Grunewald ist bzw. das Auto nicht mindstens 5 Airbags hat...., na toll!)
Zurück zum Ausflug: bislang bin ich ja wunderbar um Kultur und so einen Mist drum herum gekommen. Heute hiess es dann aber, irgendwelche römischen Ruinen schauen....da hatte ich ja schon am frühen Morgen schlechte Laune!
Caesarea hiess das Ziel!
War nen Kaff , was schon bevor das Jesulein geboren wurde, furchtbar wichtig war - ich habe vergessen warum..,,aber das wird bestimmt gleich ganz furchtbar klug (KULK) ergänzt....
Jaja, der Herodes......

überall Säulen-vorne liegend: antik, hinten stehend: Betonfabrik, Neuzeit
Mein Eindruck: also ich habe schon Besseres gesehen. Da lagen ein paar Steine rum, es wurde ein Theater gezeigt und dann gab es auch noch mässige Mosaike.... Wenn ich jetzt sage, dass die Mosaiken in der Villa Romana del Casale auf Sizilien viel beindruckender, die Säulen in Apameia viel besser erhalten und das Theater in Taormina viel hübscher ist, dann wird mir wieder vorgehalten, dass ich angebe.... Aber für irgendwas muss es doch gut sein, dass ich mich in jeden Ruinenhügel schleifen lasse.

Ich bin ganz stolz, daß er sich an was erinnert!

C. ist nörgelig, darf nicht mitsingen und muss auf die stille Treppe


Immerhin war ich nicht der einzige, der sich amüsiert hat: die philipinische Reisegruppe war eher verzückt vom Geklampfe des Reiseleiters als von der Aussicht.

Man sieht überhaupt ganz viele Pilipinos. Und ich kann sagen, daß die Akustik ganz prima ist. Kumbaja!




Aus unserer beliebten Rubrik...

...was eß´ ich da oder von den Untiefen der interkulturellen Kommunikation:
oben links Linsengericht, unten rechts Orangenes. Salat eß´ ich nicht, hat keinen Nährwert.

"Excuse me, please! I have a question."
"Yes?"
"What is this food?"
"It´s orange."
"I can see that. But what is it?"
"Sorry, my english is very bad. It´s orange potatoe. Sweet."
"OK. I understand."
"Can I take picture? It´s for competition."
"What competition."
"With other restaurant. Who has the most.........don´t know word now."
"Alcoholics?"
"yes"
Alkoholiker heißt auf hebräisch alcoholist. Apple translate hat geholfen. Mein Amüsemang hat der junge Herr leider nicht nachvollzogen, weil er ja eigentlich "customer" sagen wollte.
Außerdem war Novemberfest. Für nur 55 Schekel gab´s Bierchen mit Taco, Beijingburger oder Shishkebab. Weißwurst fehlt im ganzen Land. Wir können Landwer´s trotzdem empfehlen, alle furchtbar nett. 

Sonntag, 27. November 2016

1. Advent


Wir wünschen allen einen wunderbaren 1. Advent!
Wenn wir Glück haben und die liebe Lufthansa nicht weiter bestreikt wird, sind wir zum 2. Advent wieder daheim....und wenn nicht: essen wir weiter Hummus anstelle von selbstgebackenen Kecksen.
Shalom!

Samstag, 26. November 2016

Sündenpfuhl

die gewünschte Wahrheit


Während Jerusalem am Sabbath wie ausgestorben scheint, ist hier am Strand jeder unterwegs. Man führt den Hund aus, man trägt Karo und gestreift zusammen und man joggt ohne Hemd und subkutanes Fett.
Fast hätte Dicki sich zur Strandyogagruppe gesellt, was aber weniger dem Yoga als den Ausübenden geschuldet war. Siehe oben.
Die einzigen Religiösen an der Promenade sind die Krishnas, die sich so langsam in den Schwindel singen. Leider interessiert´s keinen.







die wahre Wahrheit

Freitag, 25. November 2016

dem Winter entflohen





Heute morgen beim Frühstück meinte der ältere Mann vom Nebentisch, dass es jetzt langsam Winter in Jerusalem wird: alle tragen Mützen oder diese tollen Fellmützen (Schtreimel) und haben ihre Winterdaunenmäntel rausgeholt - das alles bei Temperaturen um die 10 Grad...







Diskopalme



Egal, wir haben diese Aussage zum Anlass genommen und sind nach Tel Aviv umgezogen. Von unserem Balkon haben wir direkten Blick auf den Strand und das Meer - fast wie die Copa Cabana: alle sind furchtbar hübsch und perfekt trainiert, es gibt den Strand direkt an der Stadt - nur die Caipi haben wir noch nicht gefunden.

Auf dem Berg Zion


Wenn man am Jerusalem-Syndrom leidet, sich also für Jesus oder Maria hält, kann man Herrn Doktor Cohen konsultieren. Er empfängt praktischerweise gleich um die Ecke vom Zionstor, zwischen deutscher Dormitiokirche (Benediktiner), Abendmahlssaal (Kreuzfahrererfindung) und Grab Davids (umstritten). Mit Blick auf den Ölberg kann man sich dann seinen Wahn wegtherapieren lassen, Krankheitseinsicht vorausgesetzt. Man kann den ganzen Trubel aber auch als frommes Disneyland begreifen: Schlange stehen für überteuertes Entertainment. Mir hat ein Mal gereicht. Was ist das Schönste an Jerusalem? Die Autobahn nach Tel Aviv.

bei Afteem übt man sich in religiöser Toleranz. Viel Erfolg

Mittwoch, 23. November 2016

Krippenspiel

Geburtskirche under construction
Selbstverständlich mussten wir auch nach Bethlehem, schließlich steht Weihnachten vor der Tür und man kann ja nie genug Input für dieses Fest bekommen!

palästinensischer Weihnachtsbaum vor christlicher Kirche an muslimischer Moschee

Bethlehem an sich ist ja nicht so der Hotspot- weder architektonisch noch anderweitig. Alle kommen nur um zu sehen, wo das Jesulein geboren wurde. 
Ich habe ja mal beim Krippenspiel in der Grundschule den Josef gemimt - immer an der Seite von Maria (also immer im Bild, dafür aber so gut wie keinen Text - ideal) Nur leider musste ich vor meinem ersten Auftritt ins Krankenhaus: Blinddarm! 
So wurde nichts aus meinem ersten Auftritt-wer weiß, wo ich jetzt wäre, wenn man mich damals entdeckt hätte.....!!!
Zurück nach Bethlehem: ich hatte die Vorstellung, dass das Jesulein romantisch in einer Krippe lag - umgeben von grünen Hügeln, überall Schafe, Hirten und vielen Königen mit Weihrauch, Myrrhe und anderen tollen Geschenken...!

anstatt Krippe: Loch im Boden

Die Geburtskirche wird gerade renoviert...somit eigentlich überall nur Gerüste und Staub. Und der eigentliche Ort des Geschehens: ein Loch im Keller unterhalb des Altars .....?!?








Erst muss man stundenlang mit den höchst angetanen Russen, Polen und Philippinos in der Reihe stehen, um dann in den Keller hinabzusteigen. 






also man kann sich doch bedecken!!



Dann werfen sich alle (zumindest die sehr Gläubigen) auf die Knie , kriechen unter den Altar und küssen das Loch im Boden.
Meine Vorstellungen vom Krippenspiel sind da irgendwie nicht kompatibel!

Egal, ergriffen bin ich natürlich trotzdem!





Nebenan gibt es noch die Milchgrotte : da ist der Maria beim Stillen ein Tropfen daneben gegangen und der Stein wurde strahlend weiß !
Hatten die denn damals noch keine Stilleinlagen??

Wir haben nicht angestanden. Dicki ist einfach durch den Ausgang rein. Ich finde das unfein, hier allerdings war eine Ausnahme angemessen, wenn auch mit schlechtem Gewissen.


"Wer war denn die Maria?"
"Welche Maria?"
"Na die Maria von MariaundJosef als du Josef warst, neulich."
"Ach die! Weißnich."
Die einzige Rolle in seinem Leben und er vergißt, wem er sie zu verdanken hat.

Montag, 21. November 2016

Heilig


 
Heute haben wir das drittheiligste Heiligtum der Moslems besucht, den Felsendom.
Mekka und Medina sind ja bis auf weiteres für Nichtmoslems gesperrt. Der Felsendom leider auch, man darf ihn nur von Aussen umrunden.
Woimmer man hinein will, wird man mit einem eindeutigen "Muslims only" begrüßt.
Außerdem muß ausnahmslos jeder Nichtmoslem durch den Metalldetektor und trotzdem jede Tasche öffnen. Das kann dauern.
Punkt 13.30 müssen alle raus. Alle Nichtmoslems. Außenrum ist der Felsendom wunderschön.
Fast hätte ich eine freundliche Deutschtürkin gebeten, doch Innen ein paar Fotos zu machen, leider habe ich mich nicht getraut.


Und das mit dem Deppen-Stecken klappt auch noch nicht so gut....

wo musst du denn drücken?
nun los, ich bin schon genervt

dann lieber die Aussicht geniessen

geht doch!!

Bei den Öschis


Dank der Empfehlung zweier Freunde (viele Grüße, Ubud-Bettina und dicke Umarmung nach Gomera, Thomas) sitzen wir im Österreichischen Hospiz der heiligen Familie und genießen mitten in Jerusalem einen ordentlichen Apfelstrudel und einen echten Verlängerten !!!

auch die Öschis mögen keine Waffen

Jeder kommt hier natürlich nicht rein: Entweder man sieht österreichisch aus, spricht deutsch mit Schmäh oder hat ne Buchung für eines der begehrten Zimmer hier im Hospiz.
Drinnen ist es recht gediegen: es gibt Geranien, ein Bild von der Sissi hängt über der Theke und die Kellner sind lahm - ganz wie in Wien. 


Naja , gerade fängt der Muezzin mit seinem Ruf an - kann denn die Gendarmerie nicht mal für Ruhe sorgen?
Einfach warten, dann lösen die christlichen Kirchenglocken den muslimischen Ruf ab.


Ich seh´ zwar nicht so aus, war aber sehr froh, nach erfolgtem Altstadtrundgang einen Hort der Ruhe gefunden zu haben, auch wenn er österreichisch ist. Hier wird man sitzengelassen und keiner will Devotionalien verticken. Schwester Poenitentia hat stets ein fröhlich GrüßGott auf den Lippen, während sie an uns vorbei zum Kaktusgießen eilt. Der Strudel ging so. Ist nicht schlimm, Tonic taugt hier auch nix.

Lecker Frühstücksei im Nest



Spiegelei war gestern - ab heute gibt es lecker Bratei mit gesundem Spinat im Briochenest!
Hurra, der Tag kann beginnen (um 11:23 Uhr.....)

Sonntag, 20. November 2016

Das jüngste Gericht




Jeder will dabei sein beim jüngsten Gericht. Deshalb ist am Hang des Ölbergs alles zugebaut. Wenn man schon länger tot war ist es doch eigentlich egal, wann man drankommt, oder? Fromme Moslems und Juden sehen das anders, da wird ordentlich in die pole position investiert, man kann ja nie wissen.












Vom Berg hat man einen sehr schönen Blick auf die Altstadt.












An der Klagemauer ist der Geist der Gottheit immer da. Auch nachts, wenn keiner betet.

Diese jungen Herren bewachen die Klagemauer und sind selbst Motiv für Touristen.

 

Frühstück ist ja so wichtig

Ich frühstücke sehr ungern ausländisch.
Die restlichen Mahlzeiten des Tages sind mir egal. Morgens allerdings muß es westeuropäisch sein. Hiesiges Frühstück ist eher Pita mit Oliven und Knatschkäse. Furchtbar.

offizielle Version: "nur" zwei Teilchen und der Baedeker

das wahre Leben: zusätzlich noch ein Apfelkuchen mit Eis - zum Frühstück!!! Und der Baedeker ist auch nicht mehr da

Deshalb war ich heilfroh, als wir feststellten, daß das beste Café der Stadt bei uns um die Ecke liegt. Hier gibt´s sogar frische Pfannkuchen mit Pistaziencremefüllung. Für Nichtberliner: in Berlin heißen Berliner Pfannkuchen und Pfannkuchen Eierkuchen.Wer in Berlin Berliner bestellt, bekommt wahrscheinlich eene druff.

Koscher essen


glücklich schon mit ner Vorspeise 


Ich brauche noch nen Bier dazu - Gott (Jehova) sei dank ist Bier koscher!!!

Koshari

Shamshuka - hier allerdings in der libanesischen Variante (sieht man doch!)


Samstag, 19. November 2016

Nicht in Paris




Eigentlich wollte ich ja nach Paris, meinen Resturlaub bei Stopfleber und Veuve Cliquot verplempern.
Aber nein, ganz so einfach läuft´s natürlich nicht. Pacta sunt servanda und weil Dicki dieses Jahr die Auswahl hat, sind wir in Jerusalem gelandet, dem Epizentrum des abrahamitischen Religionswirrwarrs.


Wer gläubisch ist, muß herkommen, weil hier der Heilige Geist durch die Gassen weht.
Wer ungläubisch ist, hat ein kleines Problem, denn wenn man die Relljon abzieht, bleibt von Jerusalem leider nicht viel übrig.




Der christliche Hotspot ist die Grabeskirche.
Dorthin gelangt man durch den muslimischen Teil der Altstadt, in dem man allerlei religiösen Kitsch kaufen kann. Schlappen und Kippas gibt´s auch, der Handel muß sich schließlich nach der Nachfrage richten.










Die Fundamente der Kirche sind tatsächlich alt, aber das interessiert hier nicht wirklich wen, weil man ja gekommen ist, um das Grab Christi zu schauen.


Dafür muß man länger anstehen, aber immerhin ist es gratis.





Das Grab und der Salbungsstein gehört allen vertretenen Konfessionen gleich, ansonsten sind die Besitzverhältnisse im Inneren der Kirche gelinde gesagt unübersichtlich.









Jeder gönnt dem anderen nix und so streiten sich griechisch-orthodoxe, römisch-katholische, armenisch-apostolische, syrisch-orthodoxe, äthiopisch-orthodoxe und koptische Kirche darum, wer wann wo ein Weihrauchfäßlein schwenken darf. Protestanten haben selbstverständlich nix zu melden.
Diese Leiter zum Beispiel steht hier seit 1967. Leider kann man sich nicht einigen, wer sie reinholen darf. Präzedenzfälle sind schließlich sehr riskant.




ein wenig wie im Lampenladen


überm Grab die Baustelle





Praktischerweise kamen wir an einem Donnerstag an, da konnten wir gleich am Freitag den Franziskanermönchen dabei zuschauen, wie sie die wöchentliche Prozession entlang der Via Dolorosa anführen.
Ich war ein wenig enttäuscht, trug doch niemand Kreuz oder zumindest eine kleine Dornenkrone.
Außerdem wurde international gebetet und nicht nur auf Latein, dafür aber lautstark mit Lautsprecher, damit auch jeder mitbekommt, was geboten wird. Wem das zu anstrengend ist, der kann sich das Schauspiel bei Apfelstrudel und Pharisäer von der Terrasse des österreichischen Hospizes aus ansehen oder wartet einfach im arabischen Hummusladen gegenüber der Kreuzwegstation vier, bis alle vorbeikommen.



Ave Maria







Dieser Herr ist ein Bischof der indisch-orthodoxen Kirche im Staate Kerala, dem syrisch-orthodoxen Ritus folgend. Man beruft sich auf den Apostel Thomas. Er führt ein Grüppchen durchs Heilige Land und war sehr nett zu uns. Man muß nur freundlich fragen...